Am 9. Juni 2026 hielt die neue EU-Anti-Money-Laundering-Authority (AMLA) in der Frankfurter Alten Oper ihre erste Konferenz ab: „Building Trust, Enhancing Integrity: A New Chapter in the EU's Fight Against Financial Crime". Über 360 Gäste aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie mehrere hundert weitere Teilnehmer im Livestream verfolgten das Programm. RSTP war als akkreditierter Teilnehmer vor Ort. Die wichtigsten Inhalte im Überblick.
1. Die AMLA: Mandat und Aufbau
Die AMLA hat am 1. Juli 2025 in Frankfurt ihre Arbeit aufgenommen. Ihre Aufgabe: gemeinsam mit den Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten die einheitliche Anwendung der geldwäscherechtlichen Vorschriften sicherzustellen und die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Financial Intelligence Units (FIUs) zu stärken. Die operative Konkretisierung der Vorgaben aus AMLR, AMLD6, AMLAR und der Geldtransferverordnung (TFR) erfolgt über Regulatory Technical Standards (RTS), etwa zur Kundensorgfaltspflicht, Implementing Technical Standards (ITS), Guidelines, Delegated Acts und Implementing Acts der AMLA. Ab 2028 übernimmt sie die direkte Aufsicht über rund 40 besonders risikobehaftete, grenzüberschreitend tätige Finanzinstitute, mit Sanktions- und Bußgeldbefugnissen bis zu 10 % des Jahresumsatzes oder 10 Millionen Euro. Für die nach dem deutschen Geldwäschegesetz (GwG) Verpflichteten ändert sich damit der europäische Rahmen grundlegend.
2. Redner und Themen
Eröffnung durch AMLA-Vorsitzende Bruna Szego, Keynote von EU-Kommissarin Maria Luís Albuquerque; weitere Redner kamen von Europol, der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO), der deutschen FIU und aus dem Kreis großer Banken. Drei Panels behandelten: Financial Intelligence im Kampf gegen organisierte Kriminalität, wirksame Aufsicht und Kooperation in der Praxis sowie Chancen und Risiken neuer Technologien, insbesondere KI und Kryptowerte.
3. Kernbotschaften
- Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsmethoden (ML/TF) entwickeln sich technisch rasant weiter, insbesondere durch KI-gestützte Verschleierung komplexer Transaktionsmuster über zahlreiche Kleinbeträge, zunehmend unter Einbeziehung von Krypto. AMLA-Vertreter sprachen von einem Hase-und-Igel-Wettlauf zwischen Kriminalität und Aufsicht, mit dem Ziel, zumindest auf Augenhöhe zu kommen.
- Leitmotiv der Konferenz: Vereinfachung und Vereinheitlichung des Flickenteppichs aus 27 nationalen Regelwerken als Weg zu mehr Effizienz, nicht als Aufweichung der Kontrolldichte. Weg vom Tick-Box-Ansatz, hin zu wirksameren, risikobasierten Instrumenten und einem effizienteren, vereinheitlichten Meldewesen, auch mit Blick auf den Nichtfinanzsektor.
- Die AMLA warb aktiv um Vertrauen bei ihren Kooperationsbehörden (BaFin, nationale FIUs, EPPO, lokale Staatsanwaltschaften) und betonte mehrfach mehr Transparenz und Kooperation. Ob sich dieses Bekenntnis auch auf die Verpflichteten selbst, also Banken und Unternehmen, erstreckt, blieb offen.
4. Einordnung
Die Konferenz fiel mit einer zentralen regulatorischen Weichenstellung zusammen: Bis zum 10. Juli 2026 musste die AMLA 23 RTS, ITS und Guidelines bei der EU-Kommission einreichen, die Frist wurde eingehalten. Ab dem 10. Juli 2027 gilt die neue EU-Geldwäscheverordnung (AMLR) als unmittelbar anwendbares Single Rulebook in allen Mitgliedstaaten. Was das konkret für Unternehmen bedeutet, behandeln wir im Detail in unserem Beitrag zur EU-Geldwäscheverordnung ab Juli 2027.
Haben Sie Fragen zu Geldwäsche-Themen, der AMLA oder wünschen Sie ein Beratungsgespräch, dann sprechen Sie gerne unseren Partner Niels Hoffmann an.


